Freitag, 1. April 2011

Meine Garderobe

Vor einigen Monaten habe fast meine komplette Garderobe in den Sekondhandladen gebracht, wo ich auch parallel zu meinem Studium arbeite. Es war keine spontane Entscheidung. Ich habe mich von einem sehr großem Last befreit. Ich habe es einfach losgelassen und bereue es nicht.

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Ich habe darüber gelesen, dass es Schätzungen gibt, dass die durchschnittliche westeuropäische Frau nur etwa zehn Prozent ihrer Garderobe trägt. Ich frage mich, was bleibt es mit dem Rest. Der Rest hängt wahrscheinlich nur umsonst da. Ich wurde in der Sowjetunion geboren und es war immer damals von allem zu knapp und zu wenig. Ich hatte nur ein paar Jeans pro Jahr und habe davon geträumt, drei zu haben. Ich bin erwachsen geworden, verdiene mein eigenes Geld und habe mir selbst meine Träume erfühlt. So viel Konsum und Besitz hat auf keinem Fall mich glücklicher gemacht. Ich blickte irgendwann einfach nicht mehr durch. Ungeliebte, unpassende und ungetragene Kleidungsstücke haben meinen Kleidungsschrank überfüllt. Und wofür? Für das beruhigende Gefühl, dass ich eine große Auswahl habe.

Oh, wenn ich ihr wüsstet, wie ich geliebt habe, die Auswahl zu haben. Ich habe es gemocht, jeden Tag anders zu sein. Mal so und andermal anders. Es war eine Illusion. Ich war immer so von allem verunsichert, fand mich nicht so hübsch und dachte, dass ich was besonders vielleicht sein kann, wenn ich mich besonders schön anziehen würde. Noch eine Illusion, die mich begleitet hat. Ich war oft unzufrieden, weil es so vieles nicht miteinander gepasst hat. Blumen auf den Schuhen zu den Blumen auf meiner Tasche und so weiter und so fort. Vielleicht kennen auch eigene von euch dieses komisches Gefühl. Unzufriedenheit, verlorene Zeit, Illusion, viel zu durchkombiniert.

Man kann sich auch mit wenigen Kleidungsstücken ausdrücken. Vielleicht sagt mein bunter Schal viel mehr über mich aus, als dies, was ich alles im letztem Jahr durchkombiniert habe...